roger titley mit pferd sophia walkenhorst 2026
roger titley mit pferd sophia walkenhorst 2026

19. Februar 2026 Exklusives Interview mit Roger Titley

Von Anke Zimmer – Im Original erschienen am 07.02.2026 in der Fuldaer Zeitung
Fotos: Sophia Walkenhorst

Roger Titley aus Wilderness in Südafrika hat sich seit den frühen 1980er Jahren mit dem Thema Puppenspiel für Events, Filme und verschiedene Liveauftritte beschäftigt. Unter anderem gestaltete er die Eröffnung und den Abschluss des Fifa-Weltcups in Südafrika 2010 und die Eröffnung der Olympischen Spiele in Rio 2016. Am Rande des Trainings mit den Schimmeln für das neue spotlight-Musical beantwortete er unserer Zeitung ein paar Fragen.

Sie kreieren Puppen für viele Veranstaltungen weltweit. Was ist daran so reizvoll? Was fasziniert Sie an solchen Puppen?

Nun, ich stelle Puppen seit den 1980er Jahren her, also seit Anfang der 80er. Ich liebe einfach den Prozess, sie zu entwerfen und damit zum Leben zu erwecken. Das ist fantastisch. Das Großartige an ihnen, der Grund, warum ich Puppenspiel so sehr liebe, ist, dass es alle Künste vereint. Die Bildhauerei, die Malerei, Handwerk. Und natürlich die Performance, wenn alles fertig ist! Das ist dann die volle Freude.

Welches Tier ist als Puppe am kompliziertesten?

Wahrscheinlich das Pferd. Weil wir versuchen, ihm wirklich Charakter zu geben.

Ich stelle mir das schwierig vor, eine Konstruktion zu finden, die zu geschmeidigen Bewegungen führt.

Wissen Sie, viele meiner Puppen muss ich zu Veranstaltungen bringen, und dann müssen sie innerhalb weniger Tage bedient werden können. Deshalb muss ich sie so einfach wie möglich halten. Worum es beim Pferd geht, ist, die Füße der Menschen und die Füße der Tiere zu verknüpfen. Auf diese Weise sind sie vollständig miteinander verbunden.

Auf Ihrer Homepage ist zu sehen, dass viele Tiere von außen bedient werden, etwa mit Stangen und Zugvorrichtungen. Das ist beim Schimmel anders.

Es ist wirklich schwierig, weil sich die Spieler im Pferd befinden. Wer es bedient, kann nichts sehen. Sie sind also völlig auf die Puppenspieler von außen angewiesen, um Anweisungen zu bekommen. Hinzu kommt: Die Bewegungen ergeben für den Spieler oft keinen Sinn, es fühlt sich für sie im Rumpf der Puppe nicht an, als würde das Pferd natürlich laufen.

Wie erklären Sie den Spielern dann, was sie zu tun haben?

Was ich oft mache, ist, sie zu filmen. Dann zeige ich ihnen am I-Pad, wie es aussieht, so dass sie sich selbst korrigieren können. Es ist ein Prozess, bei dem man versucht, Menschen etwas beizubringen, das sich einfach völlig unnatürlich anfühlt. Und dann versucht man, es zu verfeinern und zu verfeinern und zu verfeinern. So dass man beginnt zu glauben: Dieses Pferd ist ein ganz eigener Charakter.

Roger Titley Marta di Giulio Tobias Korinth Foto Sophia Walkenhorst 2026

Und die Puppenspieler?

Man vergisst sie. Zu Beginn eines Trainings sieht man eine Puppe, die von Menschen getragen wird. Am Ende aber ist es ein Pferd, es bekommt sein eigenes Leben, was wunderbar ist. Wenn man das Stadium erreicht hat, wenn das Tier so geht, wie es gehen soll, dann kann man darauf aufbauen und wunderschöne Dinge damit machen. Und dieses Pferd hier erlaubt uns, viel mehr zu tun als die üblichen Lebewesen, die ich schaffe.

Weil die Hauptfigur darauf reitet wird?

Das ist die große Herausforderung, wissen Sie? Der Reiter wiegt um die 85 Kilo. Das bedeutet, dass jeder Puppenspieler das Gewicht eines Zementsacks auf den Schultern trägt. Was allein schon schwierig ist, dies für 20 Minuten zu stemmen. Aber gleichzeitig müssen sie auftreten, sich bewegen. Das ist schwierig. Aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit, das alles zu vereinfachen.

Welche?

Wir könnten den Reiter mit einer Winde oder mit Kabeln befestigen, so dass das Gewicht etwas reduziert wird. Dabei geht es auch um die Sicherheit des Schauspielers. Diese Pferde sind schließlich ganz schön groß. Wenn jemand in den Sattel will, sich der Steigbügel aber auf eineinhalb Metern Höhe befindet – das ist schon ein großer Schritt, man braucht Schwung. Dabei könnten die zwei Leute im Pferd von den Füßen gerissen werden. Es gibt also noch viele besondere Aufgaben, denen wir uns stellen müssen.

Sie brauchen zwei Puppenspieler dafür?

Zwei innen und einen am Kopf. Sie müssen gut zusammenarbeiten. Das ist wunderbar fürs Teambuilding, weil die Spieler sich wirklich gut kennenlernen und vorausahnen müssen, was die andere Person tun wird. Und es ist schön zu beobachten, wie dieses Spiel ein Team zusammenschweißt. Je besser sie einander verstehen, desto überzeugender agiert das Pferd am Ende.

Werden Sie im Sommer noch einmal nach Fulda kommen, um sich das Musical anzusehen?

Das hatte ich zunächst nicht vor. Aber jetzt, da ich hier den Arbeitsprozess miterlebe, bin ich sehr neugierig geworden und denke wirklich daran, zurückzukommen und es mir anzuschauen. Vielleicht bekomme ich ein Video. Aber natürlich wäre es viel schöner, im Theater zu sitzen und die ganze Show live vor Ort zu erleben.